Tagungsbericht Lübeck 2012

Tagungsbericht
Fachkreis Turmuhren in der DGC
Internationales Turmuhren Symposium
vom 19. bis 17. 04. 2012
in Lübeck - Travemünde

Teilnehmerländer
Deutschland · England · Italien · Niederlande · Österreich · Schweiz · USA



Wappen der Hansestadt Lübeck


Über den Wolken

Auch dieses Jahr hatten Ekkehard Koch und seine Frau Veronika zum Symposium des Fachkreises Turmuhren eingeladen. Der Ruf wurde wieder überall gehört:  97 Teilnehmer aus 7 Nationen waren ihm gefolgt und voller Erwartung im MARITIM, unserem diesjährigen Tagungshotel in Travemünde, eingetroffen. Turmuhrenfreunde aus Italien, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, England und Amerika wurden dieses Jahr im Heimatland Deutschland des Fachkreises Turmuhren begrüßt und willkommen geheißen.

Zur Einstimmung auf die Dinge, die uns in den nächsten Tagen erwarten, traf man sich heute, am Donnerstag, zum gemeinsamen Abendessen, bei dem die Erlebnisse des vergangenen Jahres ausgetauscht wurden – denn viele sehen sich nur bei diesem jährlich stattfindenden Ereignis. Und weiteste Anreisewege halten nicht davon ab, an diesen besonderen Treffen teilzunehmen. So zum Beispiel unser Uhrenfreund Fortunat Mueller-Maerki aus Sussex in den USA – oder auch jedes Jahr dabei unser Freund Hans Behrens aus West Sussex in England zusammen mit seiner Tochter Ann – um nur einige zu nennen, die zu einer festen Institution in unserem Kreis geworden sind, und schließlich auch Frau Dr. Marisa Addomine mit ihrem Mann aus LOVRE in Italien.

„Über den Wolken“ – aus zweierlei Anlass habe ich diese Überschrift gewählt: erstens befinden sich die Objekte unserer Begierde hoch in den Türmen der Kirchen – zweitens hatte unser Hotel in der obersten Etage in über 100 m Höhe das Restaurant „Über den Wolken“, wo wir fröhliche Stunden verlebten, worüber später noch etwas zu schreiben ist.

Früh am Freitag standen dann 2 Busse der Lübecker Verkehrsbetriebe vor unserem Hotel, um uns zum Mittelpunkt unserer heutigen Erlebnisse zu bringen – in die altehrwürdige Hansestadt LÜBECK.  Wegen der großen Teilnehmerzahl aufgeteilt in 4 Gruppen wurde bei schönem Wetter die Stadt erobert. An den einzelnen Besichtigungsorten hatten sich orts- bzw. fachkundige Personen positioniert, um uns bei unseren „Erforschungen“ behilflich zu sein. In drei eindrucksvollen Kirchen ging es auf „Uhrensuche“:

Astronomische Uhr in Sankt Marien zu Lübeck
 


Die heutige astronomische Uhr in Sankt Marien zu Lübeck.
Die gesamte Höhe beträgt ca. 13 m und das Zifferblatt sowie
die Datumsscheibe haben jeweils einen Durchmesser von ca. 3 m

 
Das alte Uhrwerk und die Kalenderscheibe aus Sankt Marien,
an dessen Anblick wir uns im St. Annen Museum erfreuen

„Der Ursprung  der ersten Uhr geht zurück auf das Jahr 1405, eventuell ist sie sogar schon einige Jahre älter. Im Jahre 1407 wurde die Uhr nach einem Brand erneuert, jedoch liegen keine Mitteilungen über diese Uhr vor. Es ist eine Datumsscheibe vorhanden, die allerdings nur geringste Indikationen zeigt und deshalb nicht den Eindruck macht, als habe sie zu einer Uhr mit technisch anspruchsvoller Anzeige aller Planeten gehört.
Näheres über diese Uhr ist erst ab 1500 bekannt, kurz bevor ihr der Uhrmacher Mathias von Os und der Tischler Hinrich Matthes die Renaissancegestalt gaben. Die Technik der Uhr wurde 1890 von Eduard Korfhage neu geschaffen. Was aus der alten Uhr, einschließlich des kompletten Räderwerks von 1809, erhalten ist, konnten wir im St. Annen Museum bestaunen“. (Aus der Beschreibung unseres Uhrenfreundes Dr. Bernd Mosel)
In Sankt Marien hatte unser Vorsitzender, Ekkehard Koch, die Aufgabe übernommen, uns in die Geheimnisse der „Nachkriegsuhr“ einzuweihen. Die in Abgrenzung zur Vorgängerin mit modernen Mitteln effektiv gebaute Uhr beeindruckt durch ihre schlichte Gestaltung – die beiden „Zifferblätter“ überzeugen durch ihre  Klarheit. Seine Tätigkeit als Sachverständiger für diese astronomische Uhr, im Auftrag des nordelbischen Kirchenamtes, machte Herrn Koch natürlich in allen Fragen „sattelfest“ – es war ein besonderes Erlebnis!
Die heutige Uhr entstand, nachdem die Vorgängerin von 1890 durch Kriegseinwirkung 1942 völlig zerstört wurde, in den Jahren von 1955 bis 1967. Finanziert wurde das mit Spenden und durch die tatkräftige Mithilfe von Bürgern und Unternehmern der Stadt Lübeck. Initiiert und vorangetrieben hat den "Neubau" Uhrmachermeister Paul Behrens aus Lübeck.
 


Himmelsscheibe mit Tierkreis
 
Das 24-Stunden Zifferblatt, mit Stundenzeiger (Sonne)
Mondphase (schwarz/goldene Kugel) und Tierkreis.
Der Tierkreis hat eine Besonderheit, es sind 13 Sternbilder zu sehen.
Das ist keine astrologische Darstellung, sondern eine astronomische Abbildung
Zwischen Skorpion und Schütze ist der Schlangenträger, 13. November bis 18. Dezember.
 

Die Kalenderscheibe


Oberhalb dieser Anzeigen finden wir unter Anderem den Figurenumlauf, der im Gegensatz zu den Kurfürsten der alten Uhr hier durch zeitgemäße Figuren ersetzt wurde. Der Blick „hinter die Kulissen“ mag hiervon einen Eindruck vermitteln.


Ein schöner Rücken kann auch entzücke

 

Das astronomische Getriebe
 
 

Die Seefahrerkirche Sankt Jakobi

 
Sankt Jakobi LübeckEiner der Türme der Silhouette von Lübeck, Sankt Jakobi,
auffallend das Zifferblatt mit nur einem Zeiger.


Hier wurden wir von Frau Prof. Veronika Koch erwartet, die uns auf die besonderen Dinge in dieser geschichtsträchtigen Kirche hinwies. Es waren gleich zwei „Uhrenschwerpunkte“ zu bestaunen: Die im inneren der Kirche oberhalb der Sakristei zu sehende Uhr darf leider ihrer Hauptaufgabe, dem Anzeigen der Zeit, nicht nachkommen.

Uhrwerk in St. Jakobi Spindelhemmung
Eine gut und original erhaltene Turmuhr mit Spindelhemmung und Pendel.
Herstellungszeit: Erneuerung einer damals schon vorhandenen Uhr  1720 bis 1721.
1783 bis 1784 Umbau und Ergänzung der Uhr in den heutigen Zustand
durch die Uhrmacher Rudolf Gabriel und  Christian Caspar John
 
Uhrwerk in St. Jakobi
Das „zweite Werk“ zum ¼ Stunden  Schlag mit Auslösewelle im Vordergrund
es wurde 1783 nachträglich zum vorhandenen Werk passend angefertigt.
Das komplette Uhrwerk ist noch heute voll funktionsfähig


 
Zifferblatt innen in Sankt Jakobi
Das Zifferblatt von 1784, zum beschriebenen Uhrwerk, im Innenraum der Kirche,
dahinter befindet sich das Uhrwerk


Da die Jakobikirche  im 2ten Weltkrieg nicht zerstört wurde, sind die Orgeln etwas ganz Besonderes. Zwei gotische Werke aus den Jahren 1466 bzw. 1467 gehören zu den wenigen erhaltenen Orgeln aus dieser Zeit. Demzufolge finden hier beachtenswerte Orgelkonzerte statt – und das „Ticken“ der Uhr – so hörten wir, würde als sehr störend empfunden. Schade – aber für uns war auch das „schlafende“ Werk ein interessantes Objekt.
 
Die zweite Uhr, die es hier zu sehen gab, war mit etwas mehr Anstrengung verbunden. Hoch oben im Turm – über das Gewölbe des Kirchenschiffes und die Türmerstube zu erreichen – wurden wir von Herrn Pastor Jansen fachkundig geleitet. Auch wenn er sich im Ruhestand befindet, sind ihm seine Kirche und die Uhren immer noch eine Herzensangelegenheit.
 
Uhrwerk oben im Turm von Sankt JakobiDas Uhrwerk, nur Gehwerk, hoch oben im Turm,
auf gleicher Höhe mit den Zifferblättern, umgerüstet auf elektrischen Aufzug


„Die Jakobikirche ist mit der Seefahrt lange verbunden. Seit dem Bau im Mittelalter ist St. Jakobi traditionell die Kirche der Schiffer, Seefahrer, Bootsleute und Fischer. Hier in der Kirche wird das Rettungsboot 2 als Zeugnis der am 21. September 1957 südlich der Azoren gesunkenen Viermastbark „Pamir“ bewahrt. Von den 86 Männern Besatzung, darunter 68 Kadetten im Alter zwischen 16 und 18 Jahren, überlebten nur sechs den Hurrikan. Es war das letzte große Unglück eines Großseglers – der außerdem der letzte gewesen ist, der Kap Hoorn umrundete.“
Und so wie „aller guten Dinge 3 sind“, hatten wir für heute noch eine dritte Kirche, die etwas Besonderes in Sachen Turmuhr aufzuweisen hat:
 
Der Lübecker Dom

Wem ist nicht diese altehrwürdige Kirche mit ihren zwei hohen Türmen ein Begriff, die, wie auch das Holstentor, das „Bild“ Lübecks prägt. Neben den besonderen Kunstwerken wie dem Triumphkreuz, dem schönen Lettner, den Seitenaltären und vielen Bildwerken: Die Astronomische Uhr! Hinter einem interessanten, mit vielen Figuren ausgeführten Zifferblatt verbirgt sich in einem „Uhrenhaus“ das Werk, das sich in einem ausgesprochen guten Zustand befindet. Der Grund hierfür verbarg sich in unserem Freundeskreis, wie sich schnell herausstellte. Sebastian Otto, der hier im Dom die „Leitung“ unserer Gruppen übernommen hatte, pflegt und wartet diese Uhr im Auftrag der Kirchengemeinde. Wer ihn nicht kennt: im Bericht über den morgigen Vormittag werden wir näheres erfahren. Uns ist Sebastian aus den vielen Exkursionen der vergangenen Jahre bekannt und zu einem guten Freund geworden. An der Planung und Organisation des diesjährigen Symposiums hat er in großem Maße beigetragen, wofür ihm unser besonderer Dank gilt.


 
Blick in die TurmuhrEin Blick in das Werk der Dom-Uhr, gepflegt von Sebastian Otto

Und habe ich von dem tollen Zustand gesprochen, so zeigen diese Bilder, was durch gute Pflege im Bereich der alten Turmuhren zu erreichen ist.
Das, was unsere Altvorderen vor Hunderten von Jahren geschaffen haben, kommt durch diese innenverzahnte Schlossscheibe und dem kunstvollen „Speichensatz“ zum Ausdruck. Natürlich hätte man es einfacher ausführen können – aber dann wäre es halt nicht so schön.
 

SchlossscheibeDie „aufgesetzten“ Speichen vor der Innenverzahnung der Schlossscheibe
Augenwender Technik


Der Blick auf das Geheimnis  „Augenwender“
soll unseren Besuch in diesem Lübecker Wahrzeichen abschließen


Das Sankt Annen Museum

Hier wird die Vorgängeruhr der heutigen Astronomischen Uhr aus Sankt Marien ausgestellt, die schon zu Anfang dieses Berichtes im Bild zu sehen ist.
Die übrigen Exponate hier im Museum sind eine ausgesprochene Augenweide. Ein wunderschöner Flügelaltar erregte besondere Aufmerksamkeit.

 
kunstvolle SilberarbeitEine kunstvolle Silberarbeit mit kleinen Glöckchen ließ vor dem geistigen Auge
sofort den „Klingelbeutel“ Gestalt annehmen.
 
Flügelaltar in St. AnnenDer Flügelaltar – ein beeindruckendes Kunstwerk

Aber auch das Auge des Uhrenfreundes kam hier im St. Annen Museum nicht zu kurz. Ein besonders schönes Exemplar von einem Bratenwender mit „Riemenabtrieb“ zog bewundernde Blicke auf sich.

BratenwenderEin ausgefallener Bratenwender -
gut erkennbar der hintere Riemen nach unten für den Antrieb des Bratspießes
 
Sonnenuhr am St. Annenmuseum
 

Im schönen Innenhof des Museums schließlich fand sich etwas, das erst durch „ein besonderes Studium“ enträtselt wurde: Eine feine Sonnenuhr mit Schlagglocke – die Uhr links und das „Glockenspiel“ rechts neben der Tür. Die „Schaltgestänge“ zur Glocke sind „unter Putz“ verlegt.

Es war ein interessanter aber auch anstrengender erster Tag, der am Abend in fröhlicher Runde seinen Ausklang fand.
 
Samstag – auf zu neuen Taten

Frühes Aufstehen war angesagt – zur Abfahrt um 8.30 standen unsere Busse der Lübecker Verkehrsbetriebe wieder pünktlich vor der Tür. Und unser heutiges erstes Ziel:
Firma Otto-Buer – Glocken und Uhrentechnik in Neustadt

Hatte ich von Sebastian Otto schon im Zusammenhang mit dem Lübecker DOM gesprochen – heute waren wir der Einladung der Familie Otto in ihren Betrieb nach Neustadt gefolgt. Bei schönstem Wetter wurden wir auf dem Hof durch die Familie Otto begrüßt.

Familie Otto
Familie Otto, unsere heutigen Gastgeber
 
Jochen Otto und Thomas Muff
Begrüßung von Freunden,
Jochen Otto und Thomas Muff
 
Glockenturm
Vor dem Ausstellungsgebäude ein beeindruckender „Glockenturm“,


dessen Carillion, ebenfalls zu unserer Begrüßung, das Herz der Uhren- und Glockenfreunde höher schlagen ließ.

Die Firma Otto-Buer, Glocken- und Uhrentechnik, ist das Unternehmen von unseren Mitgliedern im Fachkreis Turmuhren, Jochen und Sebastian Otto. Es ist ein kleiner Handwerksbetrieb, der sich mit Pflege, Wartung und Restaurierung von Turmuhrwerken und Glocken beschäftigt. Es werden auch komplette Glockenspiele mit Spieltischen hergestellt, und zur Ausbildung von „Glockenspielern“ ist im Ausstellungsraum ein Spieltisch aufgestellt, der von einigen Uhrenfreunden „gequält“ wurde.

Wie wir erfuhren, hat jeder Glockengießer seine eigene „Glockenrippe“, so auch die Firma Otto, die auf eine lange, erfolgreiche Geschichte der Glockengießerei zurück blicken kann.
Ein kleiner Auszug aus der Firmengeschichte der Firma Otto-Buer:

„Mit dem Gründungsjahr 1874 gehört die Glockengießerei der Familie Otto eher zu den jungen in Deutschland. Um so mehr erstaunen die Erfolge der neuen Gussstätte in Norddeutschland: Schon 1884 gießt man das aufsehenerregende 34stimmige Glockenspiel für Hamburg-Wandsbeck. Bis zum Beginn des 1.Weltkrieges hatte man schließlich 3134 Glocken gegossen und gehörte unstrittig zu den großen und bekanntesten im Deutschen Reich.
An der alten Otto-Glockenrippe, mit der unsere Vorfahren in der Zeit um 1900 erfolgreich arbeiteten, hat unser Vater bzw. Großvater unermüdlich experimentiert.
Otto-Glocken galten als „voll, klar, dominierend“ (Domkapellmeister  Cohen, Köln 1909), bringen „eine wundervolle Klangfülle“ (Domkapellmeister Hartmann, Frankfurt, 1923), haben „goldene Wärme und Fülle des Tones“ (Domkapellmeister Papst, Limburg 1954).“
Und jetzt ist die Geschichte der alten „Glockenrippe“ wieder zu neuem Leben erwacht: Durch die langjährige Zusammenarbeit zwischen „Otto-Buer“ und „Eijsbouts“ werden in der modernen Gießerei in Asten NL wieder Glocken in der alten Otto-Klangqualität gefertigt. Herzlichen Glückwunsch.

Drei die wissen wovon sie sprechenDrei, die wissen wovon sie reden:
Erika und Klaus Ferner mit Jochen Otto, dem Senior von Otto-Buer

Aber nun zurück zum heutigen Ereignis. In kleinen Gruppen wurden wir durch Ausstellung und Werkstatt geführt und hierbei über die vielfältigen Arbeiten informiert, die im Rahmen „Turm und Uhr“ von Otto-Buer ausgeführt werden. „Turm und Uhr“ heißt auch  die Hauszeitschrift, die seit Jahren herausgegeben wird. Für den „Neugierigen“ sei hier der Internetauftritt angefügt: www.ottobuer.de und www.glockenspiel.de.
In der Zwischenzeit hatten fleißige Hände in der Halle für unser leibliches Wohl die Tische gedeckt, und angeregte Gespräche über das Erlebte rundeten diesen schönen Vormittag ab. Es wäre noch viel zu fragen gewesen, aber weitere Termine in Lübeck standen auf dem Programm, und so mussten wir Abschied nehmen.

Dankesworte und ein FläschchenDankesworte und ein „Fläschchen“, aber kein Uhrenöl – versprochen!
   Es war schön  hier – danke
 

 wäre das nichts für mich?Wäre die nicht was für mich zu Hause?
 
Dankesworte an die FamilieEin herzliches Dankeschön an Familie Otto und die Belegschaft des Hauses,
die uns einen solch schönen Empfang bereitet und viel Fachwissen vermittelt haben.


 
Der Nachmittag führte uns zurück nach Lübeck, wo noch  zwei offizielle Termine anstanden.

Die Besichtigung des 1286 erbauten „Heilig-Geist-Hospital“. Es ist eine der ältesten und noch bestehenden Sozialeinrichtungen der Welt.
Für „Fußtüchtige“ stand ein weiterer Höhepunkt der Reise an:

Turm- und Gewölbeführung in St. Marien

Die Kapazität dieser Führung erlaubte zwei Gruppen von jeweils 25 Personen die Teilnahme, und bereits der Aufstieg über 200 sehr kurze Treppenstufen zeigte den Teilnehmern, dass es kein Spaziergang wird. Oberhalb des Gewölbes mit einer Höhe von 38,5 Metern war der Blick auf die Gewölbekappen ein besonderes Ereignis. Der Weg führt vorbei an Glockenspiel, Mauerkrone und Glockenstube. Über sich das riesige Dach blickt man durch Fensterluken und geöffnete Arbeitspforten bis weit nach Mecklenburg und das Holsteinische. Die gut 2 Stunden dauernde Führung informierte uns unter Anderem auch über die harten Arbeitsbedingungen unserer mittelalterlichen Vorfahren, von denen viele ihr ganzes Leben mit diesem Bau verbrachten.
Der Teil von uns, der nicht an dieser Turmbesteigung teilnahm, vergnügte sich in Lübeck und nutzte die Zeit für Besuche von Sehenswürdigkeiten der Stadt, für die am Freitag keine Gelegenheit war. Pünktlich um 18.00 Uhr traten wir die Rückfahrt nach Travemünde an, wo „Über den Wolken“ der heutige Tag ausklingen sollte.
Hier, im 34. Stockwerk unseres Hotels, gut 100 m über dem Meeresspiegel, mit herrlichstem Rundblick über Travemünde und das Mündungsgebiet der Trave, war alles festlich für den krönenden Abschluss unserer Reise eingerichtet. Bei ausgezeichneten Speisen und anregenden Gesprächen im Freundeskreis verging der Abend wie im Fluge.
Als besonderes Ereignis dieses Abends stand eine Auszeichnung auf dem Programm: Der uns allen bekannte Autor von Fachbüchern zum Themenkreis Turmuhren, wie auch für den Erhalt von Turmuhren in einer bedeutenden Sammlung, Herr Josef Schröer, erhielt die Ehrenurkunde des Fachkreises Turmuhren für seine besonderen Verdienste.


Dankesworte an die Familie
 Unser Vorsitzender Ekkehard Koch dankt Josef Schröer
für seine Verdienste um den Fachkreis Turmuhren in der DGC


Auch wenn am morgigen Vormittag noch einige Aktivitäten auf dem Programm standen: es war Zeit, unseren Dank an das Ehepaar Koch zum Ausdruck zu bringen. Und das Glück hatte uns eine „Schatztruhe“ an das Traveufer gespült, die zusammen mit dem „verwunschenen“ Inhalt Veronika und Ekkehard überreicht wurde.

 
Strahlende Gesichter
 Strahlende Gesichter – Frau Professor Veronika mit der berühmten Schatztruhe


Die entsprechenden Dankesworte und Erklärungen zu diesem historischen Fund durfte ich vortragen, was zur allgemeinen Belustigung beitrug.


„Über den Wolken“
Im Aufzug fragte heute einer verstört:
TUR – muhren ? das hab ich noch nie gehört!
Doch hatte begriffen er ganz geschwind
was für ein besonderes Trüppchen wir sind.
Und dieses Trüppchen zu begleiten –
zu allem Schönen auch zu leiten –
machen wieder, wie in jedem Jahr,
Ekkehard und Veronika.
Und ohne zu prahlen können wir sagen:
es war eine Reihe von schönen Tagen.
Euch dafür zu danken haben alle gedacht:
und stellvertretend haben wir Euch was
mitgebracht!
Dies schöne Döschen ist fast bis zum Rand
gefüllt mit wunderbarem Sand.
Lieber Ekkehard – Du musst mal schauen –
vielleicht kannst Du Eieruhren daraus bauen!
Und Muscheln darin – nicht mehr zum Essen –
was Du damit sollst, das hab ich vergessen.
Doch als Schmuck bei Euch zu Haus
macht Veronika sicher etwas Nettes daraus.
Ihr seht, es ist was Tolles drin –
und alles hat so seinen Sinn!
Doch Vorsicht – im Sand steh´n  Bohlen zum Stützen –
werft sie nicht weg – sie sollen Euch nützen.
Macht Euch schöne Tage daraus –
das wünscht Euch Euer volles
      TUR – muhren Haus           LB


 
Sonntag – der Tag des Abschiedes war angebrochen. Aber nach einem ausgiebigen Frühstück stand noch interessante Information an.
 
Unser Freund Thomas Muff erfreute uns mit einem ausführlichen Bericht über die Restaurierung einer Turmuhr in der Schweiz. Bert Cremers aus den Niederlanden hatte über einen berühmten Uhrmacher, Jan van Call, wissenswertes zusammen getragen. Und auch wenn van Call recht niederländisch klingt – er war ein Zuwanderer. Er stammte aus dem kleinen Ort Call in der Eifel.Dr. Eberhard Zelinsky als dritter im Bunde der heutigen Referenten ließ uns Einblick in sein Spezialgebiet  „Die Astronomische Uhr“ nehmen, und der Beifall der Uhrenfreunde „belohnte“ die Vortragenden.
Zum Abschluss gab unser Vorsitzender Ekkehard Koch einen Überblick über die nächsten Aktivitäten des Fachkreises Turmuhren. Die Pläne für die nächsten beiden Jahre wurden besprochen, wobei der Wunsch von Herrn Koch für das Jahr 2014 Rockenhausen heißt – und ich verrate kein Geheimnis, dass er sich zu diesem Termin die Ablösung wünscht. Freuen wir uns also auf 2 weitere Jahre unter erprobter „Führerschaft“ – und wenn es auch nicht einfach ist, ein solches Erbe anzutreten: die Gemeinschaft der „Freunde des Fachkreises Turmuhren“ ist Garant für eine erfolgreiche Weiterführung.

Die Termine für die nächsten Jahre stellen sich wie folgt:

2013 wird die Fahrt vom 18.-21. April nach Belgien, nach Antwerpen gehen –
2014 werden wir uns in Rockenhausen vom 24.-27. April wiedersehen.

Auf der Homepage des FKT werden weitere Einzelheiten erscheinen: www.f-k-turmuhren.de

Ein tolles Büffet stärkte den Freundeskreis für die doch teilweise lange Heimreise – herzlicher Abschied ließ die Freude an dem Erlebten sichtbar werden und die Hoffnung auf ein gesundes Wiedersehen.
 
Bis dahin – und immer eine „Gute Zeit“
Lothar Bornschein


Bildnachweis: Lothar Bornschein und Teilnehmer des Symposiums

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